
Ein umfangreicher Castor-Transport mit hochradioaktivem Abfall aus Großbritannien ist auf dem Weg nach Deutschland. Der Transport, organisiert von der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in Essen sowie dem britischen Unternehmen Sellafield Ltd., hat in den frühen Morgenstunden des 2. April 2025 im Hafen von Nordenham begonnen. Ziel ist das Zwischenlager in Niederaichbach, Landkreis Landshut, wo bereits abgebrannte Brennelemente aus stillgelegten Reaktoren gelagert werden. Es ist ein Vorgang, der in Deutschland notwendig ist, da das Land verpflichtet ist, den Atommüll aus der Wiederaufbereitung von Brennelementen aus heimischen Atomkraftwerken zurückzunehmen.
Der Castor-Transport, der sieben Castor-Behälter umfasst, wiegt insgesamt etwa 700 Tonnen. Die Behälter wurden mit Hilfe eines Schwerlastkrans auf Eisenbahnwaggons verladen. Die Verladung, die von Sachverständigen überwacht wurde, stellt sicher, dass alle gesetzlichen Strahlungsgrenzwerte eingehalten werden. Die Castoren stammen aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield und haben am Dienstagmorgen um 5:30 Uhr planmäßig im Hafen Nordenham erreicht.
Sicherheitsmaßnahmen und Proteste
Um den Transport abzusichern, wurde ein massives Polizeiaufgebot mobilisiert, das sowohl für die Sicherheit im Zug als auch an Bahnhöfen und Brücken zuständig ist. Dabei kommen sogar Mannschaftswagen der Polizei zum Einsatz, um die ordnungsgemäße Durchführung des Transports zu gewährleisten. Im Hafenbereich sowie entlang der Bahnstrecke sind zudem Verkehrsbehinderungen und Straßensperrungen zu erwarten. Eine Flugverbotszone über dem Hafengebiet und der Bahnstrecke Nordenham-Hude wurde bis Donnerstag eingerichtet.
Anti-Atomkraft-Initiativen haben bereits Protestaktionen entlang der Strecke angekündigt. Dabei sind Mahnwachen, beispielsweise vor dem Göttinger Bahnhof, geplant. Bereits am Samstag fanden in Bremen und Nordenham Proteste gegen den Transport statt. Atomkraftgegner kritisieren den Transport und fordern ein umfassendes Konzept für eine sichere Endlagerung von Atommüll. Die Transportstrecken für radioaktive Abfälle in Deutschland sind oft ein Zankapfel zwischen Befürwortern und Gegnern der Atomenergie.
Historischer Kontext
Der erste Castor-Transport in Deutschland fand am 24. April 1995 statt und wurde von massiven Protesten begleitet. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Rücktransporte radioaktiver Abfälle aus Wiederaufarbeitungsanlagen in Deutschland. Dabei kam es immer wieder zu Demonstrationen, die sich gegen die Produktion von neuem Atommüll und gegen bestimmte Endlagerstandorte wie Gorleben richten. Die Transportstrecken sind oft von Protesten betroffen, insbesondere die Eisenbahnstrecke von Lüneburg bis Dannenberg.
Für die aktuelle Rückführung von Atomabfällen wurden bereits 14 Castor-Behälter aus Sellafield geplant, die nach Deutschland zurückgebracht werden müssen. Diese Transporte sind notwendig, da Deutschland bisher keine dauerhafte Lösung zur Endlagerung für hochradioaktive Abfälle gefunden hat. Die Transporte werden sorgfältig überwacht, und die Genehmigungen sind an strikte gesetzliche Vorgaben gebunden, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.
Die Fahrtzeit des aktuellen Castor-Transports wird auf über 14 Stunden geschätzt, während die genaue Abfahrtszeit des Zuges erst für Mittwochabend erwartet wird. Diese langwierigen und sicherheitsintensiven Transporte stellen für die betroffenen Regionen stets eine Herausforderung dar.